Woche 2 - Tag 3

Von Männern und Brunnen

Ein Lied im Fünftonraum, das in keiner Anfängerklavier-, gitarren-, blockflötenschule fehlt. Jedenfalls zu meinen Schülerzeiten war das so.
Inzwischen lässt man unter Umständen den Text weg, oder nimmt was ähnliches. Es ist einfach ein Klassiker;-)

zum YouTube-Video "2.03 Ist ein Mann ... - Dur"

zum YouTube-Video "2.03 Ist ein Mann ... - Moll"

Ich gebe zu: Für die Handgesten ist etwas flott. Dann nur mitsingen. Das häufige singen ist das wichtigste, was wir momentan brauchen, um die Solmisation zu lernen.
Das Video dazu ist bereits in der Mache.

 

Stufen erkennen

Die Übung von Woche 2 - Tag 1 auf der Gitarre an fünf sechs Positionen mehrmals wiederholen. Kommen Ihnen die Bausteine schon aus den Ohren raus?
Das wäre ein gutes Zeichen, dann noch etwas weiterüben.

Ohne Gitarre: Arbeiten Sie mit den Videos aus dem Basiskurs "Stufen erkennen".

Wahrscheinlich werde ich morgen hier die erste "Stufen-Aufgabe" stellen.

Chromatik vs. Diatonik

Das Gitarrengriffbrett ist streng chromatisch (nur Halbtonschritte), die weißen Tasten auf dem Klavier sind wie unsere Tonsilben diatonisch (Halb- und Ganztonschritte gemischt). Was hat das für Konsequenzen?

Nur Halbtonschritte, da gibt es bei 12 Tönen keinen, der irgendwie heraussticht. Es ist wie die Tafelrunde, alle sind gleichberechtigt.

1  2  3  4  5  6  7  8  9  10  11  12  1 ...

Bei einer diatonischen Struktur ist das anders. Man sieht sofort, bei 34 und 71, da ist was ...

1  2  3-4  5  6  7-1  2  3-4  5  6  7-1  2  ...

Vor dem einen "Halbtonschritt" kommen drei Ganztonschritte (7-1), vor dem anderen (3-4) aber nur zwei.

Halbtonschritte in einer Reihe von Ganztonschritten setzen quasi eine Markierung. Die Töne sind nicht mehr gleich, sondern eindeutig identifizierbar.
Jetzt erst kann es einen "Grundton" geben.

Zu Guidos Zeiten konnte praktisch jede Tonsilbe Grundton sein. Heute sprechen wir von den sieben Kirchentonarten.
Jede Kirchentonart beginnt mit einer anderen Tonsilbe, die Halbtonschritte liegen bei jeder anders (erkennbar am -), jede hat einen anderen Klang, eine andere Stimmung.
Ganz ohne Alterationen konnten so ganz unterschiedliche Stimmungen geschaffen werden.

do re mi-fa so la ti-do: Dur
re mi-fa so la ti-do re
mi-fa so la ti-do re mi
fa so la ti-do re mi-fa
so la ti-do re mi-fa so
la ti-do re mi-fa so la: Moll
ti-do re mi-fa so la ti

Im Laufe der Zeit kristallisierten sich zwei Tonarten als besonders geeignet zum Musizieren heraus. Heute nennen wir sie Dur und Moll, in Kirchentonarten gesprochen heißen sie ionisch und aeolisch. Die anderen Namen finden Sie im Fortgeschrittenenkurs "Kirchentonarten". Ist jetzt nicht Thema, vergessen.
Dur startet auf do, Moll auf la. Nicht vergessen.
Unsere gesamte abendländische Musikkultur, egal ob Kirchen-, Kinder-, Weihnachstlied, egal ob Schlager, Rock, Pop, Jazz, Gospel ist überwiegend Dur- Molltonal und durchdrungen von dieser einen diatonischen Struktur. Die Kirchentonarten gibt es immer noch im Kirchengesangbuch und sie sind wichtig im Rock und Jazz, es muss also nicht immer dur-molltonal sein, aber auch diesen anderen Tonleitern liegt diese eine diatonische Struktur zugrunde.

Andere diatonische Strukturen mit sieben Tönen wären theoretisch denkbar, aber sie kamen nie zur praktischen Anwendung.
Es gab und gibt nur eine Anordnung der schwarzen Tasten auf der Klaviatur. Zweier- und Dreiergruppen. Die beiden anderen Varianten haben es nie zum Praxistest geschafft.