Lektion 3: Phrygisch - die phrygische Sekunde

Auch die phrygische Tonart ist mollähnlich, als Grundton ist in der Notation also das la sinnvoll, und die typische Alteration ist die Phrygische Sekunde. Im Vergleich zum Natürlichen Moll (aeolisch) ist die zweite Stufe um einen Halbtonschritt erniedrigt, so dass zwischen Grundton und zweiter Stufe nur ein Halbtonschritt liegt.

Durch die Alteration wird aus dem la ti Ganztonschritt ein la tu Halbtonschritt. Und auch für phrygisch gilt: Diese Alteration ist immer vorhanden, nicht manchmal.

Traditionell notiert (ohne Alteration) startet phrygisch aber mit mi und so haben wir mit mi fa den Halbtonschritt zwischen erster und zweiter Stufe.

Es gibt zwei mögliche Notationsweisen, achten Sie auf die Tonartvorzeichnung.

  • Zeile 1: Es gibt keine Alteration. Die Tonartvorzeichnung sagt erstmal: B-Dur oder g-moll. Erst wenn man mi (hier Note d) als Grundton identifiziert hat, kann man d-phrygisch erkennen.

  • Zeile 2: Es gibt eine Alteration, tu und Grundton ist la. Wer sich mit Noten auskennt, sieht bereits an der Tonartvorzeichnung: d-moll. Dazu die Alteration tu, schnell ist d-phrygisch erkannt.

Sie merken vielleicht schon: Das Problem bei der "klassischen" Notation von Kirchentonleitern ohne Alteration ist, dass einen die Tonartvorzeichnung erstmal auf eine falsche Fährte lockt, da wir zunächst davon ausgehen, das der Grundton la oder do lautet, wie im Basiskurs "Noten & Solmisation". Auch denkt man natürlich zunächst, dass es sich um Dur oder Moll handelt. Natürlich. In unserer Dur-moll-tonalen Musikkultur stimmt das fast immer. Dieses Problem haben daher nicht nur wir mit der Solmisation, sondern auch alle Instrumentalisten, welche die Noten sehen.

In Zeile 1 oben rechne ich deshalb zunächst mit B-Dur oder g-moll. Der Anfangs- und Endton d lassen mich dann aber daran zweifeln.
Bei der ersten Zeile hat man bei einer Kirchentonart zuerst den falschen Grundton und die falsche Tonart im Verdacht und erkennt die Kirchentonart erst, wenn man den richtigen Grundton identifizieren kann. Das muss nicht so einfach sein wie im Notenbeispiel oben, wo Anfangs- und Schlusston d lauten.
Wer sich mit Kirchentonarten gar nicht auskennt, denkt wahrscheinlich: B-Dur, aber der Grundton ist Spitzenton und kommt erst im zweiten Takt. Stück beginnt und endet auf der Durterz. Seltsam.

In Zeile 2 hat man bereits durch die Tonartvorzeichnung d-moll (F-Dur) einen ersten Hinweis auf den richtigen Grundton und die Alteration ist wegen des Versetzungszeichens offensichtlich und leuchtet wie ein Warnblinker.
In Beispiel Zeile 2 ist damit gleich zu Beginn klar, dass es sich nicht einfach nur um d-moll handeln kann.