Einführung: Kirchentonleitern - das ionische System

In diesem Kurs geht es um die Kirchentonarten (auch: Kirchenmodi, Einzahl: Kirchenmodus). Alle Kirchentonarten zusammen bilden das sog. "ionische System". Bei diesem Thema gibt es einige seltsame Namen, da sie sehr alt sind und aus dem Griechischen stammen. Dadurch klingt alles komplizierter, als es tatsächlich ist. 

Voraussetzung für diesen Kurs: Da wir Alterationen brauchen, sollten Sie sicher im Umgang mit der Solmisation aus dem Basiskurs sein und frei solmisieren können. 

Heute leben wir in einer Dur/Moll-tonal geprägten Musikkultur. Als Guido von Arezzo die Solmisation im 11. Jhd. entwickelte war das noch ganz anders. Mehrstimmige harmonische Gesänge gab es noch nicht. Musikinstrumente mit denen man in allen Tonarten spielen konnte … gab es noch nicht. Die Instrumente, die es gab, waren auf eine Tonart beschränkt. Stellen Sie sich ein Klavier vor, bei dem die schwarzen Tasten fehlen und man nur die weißen benutzen kann. Ein solches Klavier gab es natürlich nicht. Aber es gab Flöten, Harfen, Lauten, die in einer Tonar spielen konnten. Die Stimme war das wichtigste Musikinstrument und regelmäßig gesungen wurde in der Kirche. So waren die Kirchentonarten in lithurgischen Gesängen und Chorälen allgegenwärtig. 

Das sind sie heute im Kirchengesangbuch noch immer, aber durch Radio, TV, Internet und Tonträger daheim leben wir heute in einer Kultur, deren Musik nur wenig von Kirchenmusik und viel von Medien geprägt ist.
Naja, und in den tausend Jahren seit Guido von Arezzo hat sich auch in der Musik so einiges getan. Bach, Mozart, Beethoven, Chopin, Wagner, Elvis, AC/DC, Charlie Parker kamen ja alle erst danach. 

Eine gute Nachricht vorweg: Die relative Solmisation ist das ideale Werkzeug, um die Kirchentonarten in den Griff zu kriegen.

Sie wissen bereits, do ist der Grundton in Dur, la in Moll. Macht man nun die übrigen fünf Tonsilben (re, mi, fa, so und ti) auch zum Grundton einer Tonleiter, so erhält man die noch fehlenden Kirchentonarten. Insgesamt gibt es also sieben Kirchentonarten, Dur und Moll gehören auch dazu; sie heißen dort aber ionisch und aeolisch. Und schon geht es los mit den seltsamen Namen. 

Merke: Jede Kirchentonleiter beginnt auf einer anderen Tonsilbe. Da es sieben Tonsilben gibt, gibt es sieben Kirchentonleitern.

  • do ist die erste Tonsilbe in: Ionisch (Dur)
  • re: Dorisch
  • mi: Phrygisch
  • fa: Lydisch
  • so: Mixolydisch
  • la: Aeolisch (Moll)
  • ti: Lokrisch

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