Lektion 7: Mixolydisch - die mixolydische Septime

Mixolydisch startet in der Solmisation auf der Tonsilbe so und gehört zu den durähnlichen Tonarten.

Um die Ähnlichkeit zur ionischen Tonleiter besser beurteilen zu können, sehen Sie unten zwei verschiedene Darstellungen der Tonleiter, die "klassische" und die "Grundton do"- Darstellung.

 

Stufe12345678
do-bezogendoremifasolatudo
klassischsolatidoremifaso


In den folgenden Erläuterungen verwende ich ausschließlich die "do-Darstellung", so dass wir ionisch und mixolydisch direkt vergleichen können.

Auch im mixolydischen bilden die Stufen 1, 3 und 5 mit do mi so einen sauberen Dur-Dreiklang. Deshalb gehört Mixolydisch zu den durähnlichen Tonarten.
Durch die Alteration tu entsteht allerdings auf der ersten Stufe mit do mi so tu ein spannungsreicher  Dominantseptakkord. Mal wieder an der falschen Stelle bzw. man sollte diesen Dominantseptakkord nicht benutzen, denn auf der ersten Stufe erwarten wir als Endpuntk des harmonischen Geschehens einen spannungslosen Akkord. Nur do mi so lässt sich hier verwenden.

Die vierte Stufe fa ist unverändert und bildet die funktionierende Subdominante fa la do. Hier ist die harmonische Welt in Ordnung.

Die siebte Stufe ti ist zu tu erniedrigt. Damit fehlt melodisch gesehen ein funktionierender Leitton zum do und harmonisch gesehen eine starke  Dur-Dominante so ti re. Stattdessen haben wir nur eine schwache Molldominante so tu re, die gegenüber der regulären Dur-Dominante spannungslos ist, quasi ein zahnloser Tiger.
Die Spannung zwischen Tonika und spannungsreicher Dominante ist aber ein sehr wichtiger Motor des harmonischen Geschehens. Im mixolydischen ist er kaputt und stottert vor sich hin.

Die Alteration tu führt also zu einigen Problemen. Im 11. Jhd. war das noch kein Problem, da man noch keine Harmonien verwandte, sondern rein melodisch musizierte. Dabei führt die Alteration lediglich zu einer etwas anders gefärbten Tonleiter. 
Die ausgeklügelte harmonische Tonsprache, die wir heute verwenden, war damals noch nicht entwickelt.

Fazit

Warum hat sich von den drei durähnlichen Tonarten Ionisch durchgesetzt?

Weil nur im ionischen die Hauptharmonien Tonika, Subdominante und Dominante auf den Stufen 1, 4 und 5 gut miteinander ... harmonieren, da sie allesamt Durdreiklänge sind.
Im lydischen haben wir eine verminderte Subdominante an falscher Position und im mixolydischen eine spannungslose Molldominante. Bei allen drei Tonleitern entsteht zwar ein Dominantseptakkord, aber nur im ionischen dort, wo wir ihn auch brauchen: Auf Stufe fünf der Dominante. Bei den beiden anderen steht der Dominantseptakkord harmonisch gesehen an den falschen Positionen.

Trotzdem erfreuen sich die Tonleitern lydisch und mixolydisch ob ihrer melodischen Färbungen großer Beliebtheit in Rock und Jazz und sind dort nicht wegzudenken.
Im Jazz werden Akkorde und Skalen (Tonleitern) als verschiedene Darstellungen ein und desselben Tonmaterials gesehen. Auch dafür sind die Kirchentonarten sehr hilfreich. Jeder ausgebildete Jazzer weiß, was lydisch oder dorisch ist und verwendet Kirchentonleitern zur Improvisation (Stichwort: Modaler Jazz).