Lektion 11: Tonraum Moll

Wie bereits in Lektion 8 - aeolisch angedeutet, gibt es in Moll eine eingebaute "Schwäche". Es fehlt der Leitton zum la und infolgedessen gibt es statt einer spannungsreichen Durdominante nur eine spannungslose Molldominante.

Dieses harmonische Problem wurde durch Erhöhen der siebten Stufe so zu si gelöst.
Damit entstand leider ein melodisches Problem. Harmonisch Moll hat drei Halbtonschritte ti-do, mi-fa und si-la und zwischen fa und si einen Terzsprung statt eines Sekundschrittes. Harmonisch Moll klingt dadurch etwas orientalisch.

Dieses melodische Problem wird durch zusätzliches Erhöhen der sechsten Stufe fa zu fi gelöst. Damit wiederum unterscheidet sich melodisch Moll von Dur nur noch in der Mollterz.
Harmonisch und Melodisch Moll gehören übrigens nicht zum ionischen System, denn ihre Tonkonstellation lässt sich nicht ausschließlich mit den sieben Tonsilben darstellen wie die anderen Kirchentonarten ("klassische Darstellung").

 Hier alle genannten Tonleitern. Die Alterationen sind hervorgehoben.

Stufe12345678
natürliches Molllatidoremifasola
harmonisches Molllatidoremifasila
melodisches Molllatidoremifisila
mel.Moll do-bezogendoremufasolatido

In den folgenden Erläuterungen verwende ich ausschließlich die "la-Darstellung", so dass wir aeolisch und dorisch direkt vergleichen können.

In der dorischen Tonleiter bilden die Stufen 1, 3 und 5 mit la do mi einen Moll-Dreiklang. Deshalb gehört Dorisch zu den mollähnlichen Tonarten.

Durch die Alteration fi entsteht allerdings auf der vierten Stufe (Subdominante) mit re fi la ein Dur-Akkord. Eigentlich erwarten wir dort einen Mollakkord, s. aeolisch. 
Da auch auf der fünften Stufe bereits eine spannungslose Molldominante steht, stört die Dursubdominante die Balance der Hauptharmonien Tonika, Subdominanten und Dominante.