Lektion 12: Lokrisch

Lokrisch startet in der Solmisation auf der Tonsilbe ti und gehört weder zu den dur- noch zu den mollähnlichen Tonarten.
In der Praxis spielt Lokrisch keine große Rolle, wurde auch im Mittelalter praktisch nicht verwendet,  vervollständigt aber das ionische System.

Um die Ähnlichkeit zur aeolischen Tonleiter besser beurteilen zu können, sehen Sie unten zwei verschiedene Darstellungen der Tonleiter, die "klassische" und die "Grundton la"- Darstellung.

 

Stufe12345678
la-bezogenlatudoremufasola
klassischtidoremifasolati

In den folgenden Erläuterungen verwende ich ausschließlich die "la-Darstellung", so dass wir aeolisch und lokrisch direkt vergleichen können.

In der lokrischen Tonleiter bilden die Stufen 1, 3 und 5 mit la do mu einen verminderten Dreiklang. Deshalb lässt sich Lokrisch weder Dur noch Moll zuordnen.

Im Vergleich zu den mollähnlichen Tonleitern gibt es zwei Alterationen tu und mu.

Melodisch gesehen gibt es mit so keinen schlüssigen Leitton und mit dem Tritonus mu bildet sich der stakr dissonante Tritonus ausgerechnet zwischen Grundton der Tonika la und Grundton der Dominante mu.

Harmonisch gesehen haben wir eine verminderte Tonika auf la, eine Dur-Dominante auf mu und diese einen Halbton unter der erwarteten Position. Und die Subdominante auf re ist ein Moll-Dreiklang.
Jede Hauptharmonie ist also ein anderer Akkordtyp, die Dominante ist um einen Halbton verschoben.
Bei Lokrisch läuft so ziemlich alles aus dem Ruder.
Würde ich auf die Nebenharmonien oder Vierklänge schauen, würden sich sicherlich weitere Abgründe auftun.
(z.B. entsteht auf Stufe 6 mit fa la do mu ein Dominantseptakkord)

Wegen seines sehr eigenwilligen und fremdartigen Klanges erfreut sich Lokrisch trotzdem einer gewissen Beliebtheit z.B. im Metal, spielt aber ansonsten nur eine untergeordnete Rolle. Die übrigen sechs Kirchentonleitern sind da wichtiger.